Downhill durchs Piece in den Urlaub

Ich habe nichts anzubieten – außer 2 Fahrrädern in der luftigen Höhe eines Laternenmasts, zwischen Wartehäuschendach und Baumkrone hängend. Die liegen seit mehreren Wochen auf Halde, auf ihren Auftritt im Netz wartend. Dass auch heute wieder nicht ihr Tag sein wird, um auf Facebook geflissentlich übersehen oder auf Google Plus mit Einsern belohnt zu werden, steht leider schon fest.

Auf der Suche nach dem Look meines heutigen Postingtages ist mein schweifender Blick nämlich auf ein Abbild des Septembers gefallen, das dem drögen Berliner Chic des U-Bahnhof Eisenacher Straße zu etwas mehr Hipness verhilft.
Meine Urlaubsreife ist mittlerweile schon so weit fortgeschritten, dass ich selbst in der herbst-farbenen Hügellandschaft, die unter den schmucklosen Schriftzug „Eisenacher Straße“ gesprayt ist, Breisgauer Grün sehe, das zu stundenlangen Spaziergangen mit Freundin & Hund überschwänglich einlädt.

Trudelnde Herbstblätter lassen definitiv auf frischen Wind schließen. Die hochsommerlichen, scheinbar windstillen Tage, in denen die stickige Luft in der überhitzten Großstadt zu stehen schien, sind endgültig vorüber. Wenn das erste Fliegenpilzchen unter einem Pfeil zu sprießen beginnt, ist eine neue Zeit des Jahres angebrochen. Diese frohe herbstliche Kunde wird auch durch die kahlen Äste nicht getrübt, die durch die Signatur bis in den Himmel wachsen.
                                                                   Ohne Zweifel werden hier goldene Herbsttage verheißen. Und die wollen genossen werden. Vorbei die permanente Pirsch durch Googles Unterholz – stets wachsam der besten Bewertung auf dem meist beachteten Portal auflauernd, dem geilsten Post unermüdlich auf der Spur, das Topranking der beliebtesten Suchmaschine jederzeit im Visier. Das ist raues Terrain. Wo es sich zu bewähren gilt, Hindernisse überwunden, kühne Sprünge in holprigem Gelände gewagt werden wollen. An manchen Tagen geht’s allerdings in rasantem Tempo downhill – bestenfalls mit Aussicht auf sattes Grün. Also quasi direkt unter dem Fliegenpilz die abschüssige Bahn hinabgesaust, um im Piece zu bleiben.

Mountain Biking hat sich hier ins sprachliche Bild geschlichen und den Kreis sowohl zu meinem Urlaubsziel geschlossen (was wäre diese Stadt ohne die ungezählten Fahrräder?) als auch zu den ungeliebten Rädern hoch über dem Steglitzer Hermann-Ehlers-Platz in ihrer Posting-Warteschleife. Vielleicht sollte ich Vor-Urlaubsmilde walten lassen und diesen Schnappschuss aus dem Doppeldecker endlich in die Welt setzen. Dann sind im Oktober Kopf und Halde frei für neue Illustrationen aus der Welt unserer Umzugswiese44.

 

Advertisements